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Demnächst erfahren Sie hier den Termin für das OPEN 2012 - die Atelieröffung für Künstlervereine Collage und OK9

 

OPEN 2011 – „Woher – Wohin?“

Open-Booklet Titelseite


Hiermit laden wir Sie herzlich ein zur Atelieröffnung der beiden Künstlervereine Collage und OK9.

Über dreißig Künstlerinnen und Künstler sowie geladene Gäste präsentieren neue Arbeiten aus den Bereichen: Grafik, Malerei, Bildhauerei, Objektkunst, Fotografie, Video, Digitale Kunst, Multimedia, Installation, Design, Textilkunst.


Öffnungszeiten: Samstag, den 9. Juli von 15.00 bis 22.00 Uhr
Sonntag, den 10. Juli von 15 bis 20 Uhr

Vernissage: 9. Juli ab 19.00 Uhr in der Galerie FOE 156

Konzert: 9. Juli zur Vernissage mit "Duo Avvenuroso"
Gitarre: Bernhard Schmid, Gesang: Susanna Hirl
anschließend Fest mit DJ Martl. Eintritt frei


Musikalisches und Kulinarisches zählen zum Rahmenprogramm.


Bürgerpark Oberföhring / Galerie FOE156
Oberföhringerstr. 156, 81925 München


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OPEN 2010 – „Woher – Wohin?“

Rede zur Eröffnung der Ausstellung „Woher – Wohin?

Sehr geehrte Damen und Herren, zum diesjährigen OPEN, der Atelieröffnung der beiden Künstlervereine OK9 und Collage, möchte ich Sie im Namen aller ausstellenden Künstlerinnen und Künstler herzlich begrüßen. Gemäß dem Motto „OPEN“ haben OK9 und Collage auch diesmal wieder Gäste mit künstlerischen Arbeiten eingeladen. Die dreiunddreißig Teilnehmer haben für ihre aktuelle Ausstellung ein besonderes Motto gewählt: Woher – Wohin? Was aber steckt hinter diesen „W“-Fragen? 

Präsentiert werden neueste Arbeiten, denen relevante Werke früherer Schaffensphasen gegenüber gestellt werden - sei es als Originale, Fragmente oder auch Fotos. In dieser Kombination werden inhaltliche Stränge ablesbar und künstlerische Ansätze kristallisieren sich plastisch heraus. 

Damit gehen wir der Frage nach, wie Künstler im Laufe der Produktion den spezifischen Gehalt und die individuelle Ausformulierung von Gehalt und Form entwickeln. Jedes künstlerische Werk ist eine einmalige Entscheidung. Wann welche Entscheidungen und Weichen im Verlauf des künstlerischen Werdegangs getroffen werden, lässt sich oft leichter im Nachhinein feststellen – auch für den Urheber selbst. Anhand der aktuellen Werke lassen sich Stränge zurückverfolgen, deren Wurzeln oft bereits in der früheren Bildsprache zu entdecken sind.  

Mit derartigen Juxtapositionen entsteht ein spannender Diskurs, der sowohl Selbstreflektion und Ortung für die Urheber, als auch erhöhte Transparenz und tieferen Einblick für die Betrachter bietet. So finden Sie interessante und vielfältige Antworten auf die Frage „Woher – Wohin“ in den einzelnen Ateliers sowie fokussierend in dieser Ausstellung der Galerie FOE 156, die in diesem Jahr von den Künstlern der Collage und Gästen bespielt wird. 

Sprichwörtlich eingeleitet wird die Ausstellung in der Galerie von der Arbeit Pavel Zelechovskys. Seine irreführende Beschilderung im Außenraum führt wie ein Ariadne-Faden dennoch in die Galerie, wo er als autonomer Künstlerkurator seiner Ausstellungsreihe Station FOE 156 seit nunmehr fast zwei Jahren Orientierung bietet und mit exzellenten Ausstellungen ebenso glücklich wie systematisch irritiert. Nur – diesmal hat die Collage den Spieß umgedreht und ihren Kurator mit seinem eigenen künstlerischen Werk eingeladen. Seine Multiples mit dem Wort „später“ weisen die Flaschenpost als nahezu ironisches Heilsversprechen aus. 

Ich hoffe, dass ich Sie nicht bereits jetzt verwirrt habe, denn das ganze geht noch viel viel weiter:
So wurde ein OPEN-Gast und damit eine Künstler-Kollegin in die Collage-Ausstellung eingeladen, die von den Collage-Mitgliedern dankenswerterweise willkommen geheißen wurde und sich hier wunderbar integriert hat: Alexandra Königsmann. Ihr 16-mm-Film, der 1981 für die Aufnahme am San Francisco-Art-Institute entstand und mit leeren Räumen und Fenstern Anonymität sowie Abstraktion vermittelt, findet seine ästhetische Fortsetzung in einem digitalem Composing von 2010. Das Foto des „Fensters mit Titel“! stammt von einem Motiv aus dem Haus der Kunst München und offeriert die Möglichkeiten „rein“ oder „raus“. 

Und nun zu den Künstlern der Collage: 
Günter Stöber konterkariert retentionale Zeichnungen mit einer interaktiven Videoinstallation. Seine Skepsis in Bezug auf die konzeptuelle Konstistenz der eigenen Arbeit findet dennoch ihre Bestätigung in der Aufzeichnung von Bewußtseins- und damit auch Wahrnehmungszuständen im Zeitraum von nunmehr zwanzig Jahren. 

Katrin Siebeck
präsentiert fragile und poetische Objekte in Ready-Made-Manier. "Kleiner Machtkampf" stellt einen ironisch, humorvollen Blick auf den sogenannten "Geschlechterkampf" wie eine Fabel dar. Die Arbeit besteht ausschließlich aus Fund und Abfallmaterialien.Aus Plastik-Produkten der Wegwerfgesellschaft erblühen ihre „Treibhausdefelt-Blumen zu neuem Leben der zweiten Natur. 

Werner Neumanns
Auseinandersetzung mit analoger und digitaler Fotografie lotet die Möglichkeiten dieser Malerei mit Licht aus. Präzise, konkrete Formen der analogen Frühphase wandeln sich zu digitalen Abstraktionen, die in der ganzen Spanne von Unbestimmtheit und Unbestimmbarkeit dem Heisenberg’schen „Uncertainty Principle“ folgen. 

Bei Hermine Bühlers expressive Malerei aus dem Jahr 1987 handelt es sich um ihr erstes großes Bild, das in der Collage entstanden ist. Nicht von ungefähr erzählt es von Aggression und Konflikten, die sich mit Bildern wie „Bliss“ längst in eine sanfte Figuration gewandelt haben. 

Die „Landscape“ von Norbert Tress entspricht in mehrfacher Hinsicht dem Thema Landschaft. Motiv sowie Material (Humus und Jura) stellen die Identität seiner Fabflächenmalerei her. Einzelbilder und Serien entwickeln dabei mannigfaltige Dialoge. 

Die Skulpturen von Alix Stadtbäumer – Doppel- und Einzelknurzel von 1988 – beweisen durchaus, dass bevorzugte Formen und Strukturen sich fast wie individuelle Archetypen durch das eigene Werk ziehen. Der „Ring“ greift die floral wirkenden makroähnlichen Formen auf. 

Eva Ruhland
hinterfragt Wahrheitsgehalt und Erscheinung medialer Informationen und kombiniert eine aktuelle Digitalcollage mit einer Videoskulptur von 1992. Zwei Spiegelkuben ersetzten die Köpfe von Ares und Aphrodite in der Münchner Glyptothek. Die Videos sind mit Kriegs- und Trauerbildern durchsetzt. 

Auf andere Weise geht es in Jürgen Fritsches Aquarellen und in seiner Skulptur um Wahrnehmung. Die Arbeiten befassen sich nicht mit Symbolen, sondern mit Punkt, Linie, Fläche und Raum. Sie sind, was, sie sind und nichts anderes. Ihr Widerspruch und ihre Lesbarkeit liegen in sich selbst, so mit dem vergänglichen Material Nivea-Creme auf Holz als potenziellem Farbträger. 

Simone Braitinger untersucht und erarbeitet in ihrer Malerei Struktur, Zeichen, Muster und Schrift, das Rapportartige. In der hier gezeigten Bilderreihe sind Arbeiten aus ganz verschiedenen Serien der letzten 12 Jahre zu sehen, die die malerische Entwicklung beschreiben. Angefangen mit abstrakten Schwarz-weiss Arbeiten über Landschafts- und Tortenserien entwickelte sie ein spezielles Verfahren mit Ölfarbe zur Simulation von gestricktem Stoff. In den Strickbildern sind teilweise Textfragmente und geschriebene Texte verborgen. In ihren neuesten Arbeiten greift sie nun wieder –wie zu Anfang- schwarz-weisse Musterraporte auf. So könnte man das woher –wohin auch als eine fortwährende spiralförmige Entwicklung sehen. 

Die beiden Fotos von Yvonne Leinfelder befassen sich auf subtile Weise mit der Wahrnehmung von Raum. In der irritierenden „zivilisierten Kulturlandschaft“ von 2002 hat sie behutsam die Fenster der Häuser wegretuschiert. Das zur gleichnamigen Videoinstallation gehörende Foto „Nonstop“ verkehrt Wahrnehmungsmuster und Raumgefühl. Oben und unten wird zu einer relativen Frage. 

Ursula Quack setzt mit kleinen, feinen Materialbildern Akzente ihrer Stoffkunst. Pongee- oder Bourett-Seide, Bienenwachs, Rosenblüten und Holzrinde evozieren verschiedene Assoziationen und Themen. 

Der malerische Weg von Irene Fastner stellt das „Woher – Wohin?“ anhand vergleichbarer Motive wie Figuren, Berge und Doppelsonne verblüffend deutlich heraus. Während der „Spaziergang“ von 1994 mit dicken Farbschichten noch stark geprägt ist von Art Brut und Expressionismus, beruhigen, verdichten und bestimmen sich Farben und Formen im „Versteck“ von 2006.  

Damit, meine Damen und Herren, schließt sich der Reigen der ausstellenden Collage-Künstler. Es bleibt mir noch, mit dem „Wohin?“ auf die Arbeiten von Annabelle Mehraein zu verweisen, die in einem der Ateliers hier ausstellt und ein halbes Jahr lang hier als unser Gast-Küken gearbeitet hat.  Für Ihre weiteren Enteckungen und Erkundungen wünsche ich Ihnen nun viel Vergnügen. Vielen Dank.  

Eva Ruhland
 
25. September 2010